Edelmetalle in der Finanzkrise mit Beate Sander
1. Sie haben sich ja in Ihrem Buch "Gold, Silber, Platin" für Edelmetalle stark gemacht. Haben Sie selber Gold bzw. Goldaktien/Goldfonds gekauft? Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen damit?
Ich habe den ETC mit Gold/Silber/Platin/Palladium gekauft, den ich persönlich "Grand mit Vier" nenne und auch meinen Börsenseminaristen (ich halte jede Woche zwei Börsenkurse an der Ulmer Volkshochschule) ans Herz lege. Die WKN lautet: A0N62H, die ISIN: DE000A0N62H8. Der Goldanteil beträgt 42 %, Silber 26 %, Platin 20 % und Palladium 12 %. Im Spätherbst, als der Platinpreis kurze Zeit unter den Goldpreis fiel, habe ich mir auch noch den Platin-ETC mit der WKN A0N62D bzw. der ISIN DE000A0N62D0 gekauft. Er ist in dieser kurzen Zeit ganz erheblich gestiegen. Als Langzeitanlegerin verkaufe ich nicht, zumal diese physisch hinterlegte ETC-Anlage (Exchange Traded Commodity) als ein vor 2009 erworbener Altbestand nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei bleibt. Platin ist durch den drastischen Auftragsrückgang, sowie den Umsatz- und Gewinneinbruch in der Autozulieferindustrie (Katalysatoren für den Dieselmotor) zeitweilig abgestürzt. Die Autoindustriekrise ist nicht von Dauer, sondern von vorübergehender Natur mit erhoffter Erholung ab 2010/2011, vielleicht auch schon im 2. Halbjahr 2009. Platin wird auch in der Medizintechnik, in der Schmuckindustrie und für monetäre Ziele (Barren, Anlagemünzen - wenig Gewicht, großer Wert) gebraucht. Auch mit XETRA GOLD (physisch hinterlegt) von der Deutschen Börse AG kann ein Privatanleger bei längerem Anlagezeitraum kaum etwas falsch machen. Außerdem habe ich mir einige der führenden Goldminenaktien ins Depot gelegt, große Werte aus Australien und Kanada. Dies geschah bereits vor 2009, um mir einen steuerfreien Langzeitbestand aufzubauen.
2. Aufgrund der Finanzkrise hält Goldrausch der Verbraucher an und mittlerweile haben ja schon Discounter wie Lidl Goldmünzen im Angebot. Wann sollte der Privatanleger bei physischem Gold einsteigen - oder ist es aufgrund des hohen Goldpreises eh schon zu spät?
Dr. Jens Ehrhardt aus München, zum besten Fondsmanager, Vermögensverwalter und Börsenstar 2008 gekürt, schrieb in der neuesten Ausgabe von BÖRSE ONLINE einen Kurzkommentar. Ich zitiere: "Der Goldhöchstpreis von 850 Dollar aus dem Jahr 1980 entspricht unter Berücksichtigung der Inflation heute 2.200 Dollar." Die meisten Analysten schätzen bis zum Ende dieses Jahres 2009 den Goldpreis zwischen 1.000 und 2.000 Dollar je Feinunze Gold (31,1 Gramm). Da ist noch einiger Spielraum nach oben vorhanden. Mein Rat: Kurse beobachten, Volatilität nutzen, erste Tranche (50 % des geplanten Einsatzes) bei derzeitigen Kursen um 900 Dollar je Feinunze riskieren ("zur Befriedigung der Gier"). Die zweite Hälfte kaufen, falls der Preis noch etwas fallen sollte. Geschieht dies nicht, ist man wenigstens mit im Boot und freut sich über den Kursgewinn seines getätigten Investments, statt sich über den verpassten Einstieg mit höherem Volumen zu ärgern.
3. Wenn man sich gegen Goldmünzen und -barren entscheidet: Worauf sollte man als Anleger bei Goldaktien und Goldfonds achten?
Bei Goldaktien empfehle ich die großen Werte, über die ich auch Nachrichten und Kennzahlen bekomme. Bei den Winzlingen erfahre ich nichts - außer ein Börsenbrief empfiehlt sie mir. Da tappe ich ohne den Börsenbrief letztlich im Dunklen und bin bei Kündigung allein gelassen. Bezüglich der Kennzahlen sind wichtig: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Buchwert, Marktkapitalisierung, Ergebnis pro Aktie, Kursentwicklung, Liquidität, auch ob das Management kauft oder verkauft. Hilfreich sind auch Analysteneinstufungen. Aber auf eine einzelne Meinung würde ich mich nie verlassen. Immer gilt es, mehrere Informationsquellen zu nutzen. Ich selbst möchte auch etwas wissen über das Unternehmen, womit es sein Geld verdient, wo es tätig ist, wie es sich mit den Reserven und Ressourcen verhält, ob es nachhaltig wirtschaftet, substanzstark ist und eine gesunde Bilanzstruktur aufweist. Eine ordentliche Dividende ist als Sahnehäubchen willkommen. Bei Fonds schaue ich auf das Rating, den Ruf des Fondsmanagers, die Kursentwicklung über einen längeren Zeitraum. Der thesaurierende Fonds von Dr. Jens Ehrhardt (DJE - Gold & Ressourcen) ist interessant und zukunftsträchtig. Die Dividende wird angelegt; das Management reagiert sehr flexibel auf Marktströmungen und Stimmungsindikatoren mit Hoch- oder Runterfahren der Aktienquote. Damit kann ich mich identifizieren.
4. Welcher Anlegertyp kommt für welche Investments in Edelmetalle infrage?
Das Schöne ist ja, dass der Edelmetallsektor für jeden Anlegertyp etwas bietet. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Der konservative, sicherheitsbewusste Anlegertyp legt sich Barren und Anlagemünzen ins Depot. Wer chancenorientiert ist, wählt Edelmetall-, Gold-, Silber-, Platin-ETCs und entsprechende Themenfonds, evtl. auch ein Goldminen-Indexzertifikat. Er kann auch das Risiko streuen, indem er z. B. mit 5 % bis 10 % Anteil in einen Managed Futures-Fonds investiert, der immer einen Anteil Edelmetall-Futures führt und auf steigende wie auf fallende Kurse setzt. Der risikobewusste Anleger greift auch zu guten Bergbau- und Goldminenaktien, vor allem dann, wenn er Zeit und Lust hat, den Markt zu beobachten und die Spannung, vielleicht auch einen gewissen Nervenkitzel an der Börse liebt. Wer richtig spekulativ eingestellt ist und als Kurzzeittrader das schnelle Rein und Raus bevorzugt, findet in Hebelzertifikaten die für ihn passenden Finanzinstrumente, nämlich Gold, Silber, Platin und Edelmetall Mini Future Long bzw. Call (steigender Markt) und Mini Future Short oder Put (fallende Märkte), je nachdem, wie er die Marktentwicklung in nächster Zeit einschätzt. Allerdings entspricht dieser Ansatz nicht meiner Anlagestrategie.
5. Wie sind Sie selbst dazu gekommen, Trader zu werden?
Eigentlich geschah dies durch den Schulunterricht im Fach Wirtschaft und Recht. Meine Realschüler und deren Eltern wünschten eine Börsen-AG - damals angeheizt durch die "Volksaktie" Deutsche Telekom und den Börsenboom am längst "beerdigten" Neuen Markt. Ich habe das Projekt "Der kleine Börsenführerschein" und "Der große Börsenführerschein" entwickelt und darüber mehrere Live-Sendungen im Fernsehen gemacht. Ich wollte junge Leute auf spannende, leicht verständliche und didaktisch gut aufbereitete Art und Weise für Wirtschaft und Börse begeistern. Das Echo war riesig - auch noch während der Anfangsphase vom Crash 2000. Ob damals oder heute: Die Börse hat mir viel mehr gegeben als etwa genommen - ich meine nicht nur Geld.
6. Wie gehen Sie mit der weltweiten Finanzkrise um?
Zunächst einmal in Stichpunkten kurz zusammengerafft, wovon sich jeder mündige Anleger distanzieren sollte: Keine Pauschalverurteilungen, keine Suche nach Sündenböcken, keine übertriebene Schwarzmalerei, kein passives Verharren an der Seitenlinie, kein Jammern und Wehklagen, sich nicht hinter der Vertrauensverlust-Mauer verstecken. Was sicherlich besser ist und ich selbst im Alltag umzusetzen versuche: Zuversicht aufbauen, Ärmel hochkrempeln, unternehmerisch und couragiert handeln, eine Art Gründermentalität entwickeln, sich verantwortlich fühlen und einstehen für das, was man macht. Jeder kann in seinem Lebensumfeld etwas tun! Da unsere Wirtschaft Eigen- und Fremdkapital braucht, um die schwere Wirtschaftskrise zu überwinden, gilt es, den Aktionären den Rücken zu stärken, statt sie zu diskriminieren. Eine Börsenumsatzsteuer zu erheben ist Hohn nach den dramatischen Kursabstürzen. Warum nicht dem Langzeitanleger wieder die Chance auf steuerfreie Veräußerungsgewinne ab einer bestimmten Haltefrist auch bei Neuinvestments ab 2009 einräumen oder das Halbeinkünfteverfahren wieder einführen?
Sollten Sie noch Fragen haben, schicken Sie mir eine E-Mail an: Beate.Sander@gmx.de


